Kommen deutsche Banken der Bevölkerung teurer als Griechenland?

vom: 01.07.15

Seit einigen Monaten wird heftig darüber diskutiert, ob Griechenland weitere Steuergelder erhalten soll und was das hoch verschuldete Land überhaupt jemals wieder zurückzahlen wird. Aber warum regt sich so gut wie niemand darüber auf, wenn Banken ihren Kunden Anlagen empfehlen, die nicht zu der in Aussicht gestellten Rendite führen, sondern zu Verlusten?

Aus irgendwelchen Gründen ist es der gesamten Bankbranche gelungen, ihren Kunden klar zu machen, dass im Zweifelsfalle der Anleger das gesamte Risiko zu tragen hat. Doch wozu braucht es dann Anlageberater, wenn diese nur bis zur Unterschrift des Vertrages da sind – und sich bei den ersten Verlusten auf ihren Risikoausschluss im Vertrag mit den Worten „Ich habe Sie ja auf die Risiken hingewiesen. Sie glauben doch nicht, dass ich Ihnen das verkauft hätte, wenn ich gewusst hätte, dass die Entwicklung so negativ ist!“ aus der Verantwortung stehlen?

Dem Verkaufsexperten Oliver Schumacher (www.oliver-schumacher.de) ist die gesamte Branche ein Dorn im Auge: „Ein Hauptgrund, warum der Beruf des Verkäufers in Deutschland so einen schlechten Stellenwert hat, ist der, dass wohl schon jeder einmal an einen schlechten Verkäufer geraten ist, der am Anfang vollmundig etwas in Aussicht gestellt hat – und sich dann, wenn es nicht so läuft, wie besprochen, aus der Verantwortung stiehlt." Oliver Schumacher: „Im Gegensatz dazu sind gute Verkäufer auch für Kunden da, wenn es einmal nicht so läuft, wie bei der Vertragsunterzeichnung vereinbart, um eine Lösung zu finden, mit der beide Seiten leben können.“

Der fünffache Buchautor erklärt sich das Phänomen in der Bankbranche damit, dass es dort – zumindest in diesem Bereich – keinen richtigen Wettbewerb gibt. So sind sich alle Banken darüber einig, dass beispielsweise nicht einmal ein Teil der Gebühren zurückerstattet wird, wenn die Anlage nicht so läuft, wie ansatzweise prognostiziert.

„Natürlich weiß ich auch, dass man die Zukunft nicht vorhersagen kann, aber im Hinblick auf Sicherheit macht es aktuell keinen Unterschied, ob ich der Empfehlung eines Anlegermagazins folge oder der eines Bankberaters. Es kann doch nicht im Sinne der Sache sein, dass der einzige Unterschied der ist, dass der Bankberater mit hoher Wahrscheinlichkeit bestimmte Produkte seines Arbeitgebers platziert – und ansonsten genauso schulterzuckend dasteht, wenn es nicht so läuft wie geplant. Außerdem hat der BankBERATER dem Kunden doch die Anlage persönlich verkauft und beide Seiten haben den Vertrag unterschrieben.“

Um den Verbrauchern mehr Transparenz zu bieten, fordert Oliver Schumacher die Bundesregierung dazu auf, dass Banken börsentäglich sowohl auf ihrer Webseite als auch in ihren Verkaufsstellen kommunizieren, wie sich das gesamte Vermögen ihrer Kunden entwickelt hat, die den Anlageempfehlungen der im Hause tätigen Bankberater gefolgt sind. „Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser. Und so, wie Banken Sicherheiten verlangen, wenn man von diesen Geld haben will, würde eine solche Übersicht klar kommunizieren, wie es um deren Beratungskompetenz tatsächlich bestellt ist.“