Nebeneinkünfte: Das sollten Vertriebler wissen

vom: 05.06.20

Steuererklärung

Müssen Nebenjobs und Einkünfte angegeben werden?

 Ja – zumindest, wenn es die steuerliche Seite betrifft, die später noch genauer angesprochen wird. Doch auch im eigenen Unternehmen gibt es Regeln:

-  Grundsatz – Nebenjobs müssen nicht dem Arbeitgeber mitgeteilt werden.

-  Ausnahme – Nebenjobs müssen angefragt und genehmigt werden, wenn es wahlweise der Arbeitsvertrag verlangt oder wenn der Nebenjob den Hauptjob in irgendeiner Weise einschränkt.

Generell ist es im Regelfall kein Problem, einen Nebenjob anzutreten, wobei für Beamte eigene Regelungen gelten. Dies ist jedoch nur vom Grundsatz her gültig, denn es gibt etliche Ausnahmen:

-  Ruhezeiten – würde der Vertriebler in den Abend- und Nachtstunden kellnern und somit nicht die gesetzlichen Ruhezeiten für Arbeitnehmer einhalten, darf der Nebenjob verboten werden. Dies würde natürlich nicht gelten, wenn sich das Kellnern auf den Samstag beschränkt.

-  Konkurrenz – ein Vertrieblicher für Medizinprodukte darf keinen Nebenjob bei einem Hersteller oder Anbieter für Medizinprodukte ausüben. Sobald sich der Nebenjob im selben oder einem sehr ähnlichen Metier befindet, ist ein Verbot möglich und sicher. Das gilt natürlich nicht allein für Vertriebler.

-  Spezielle Branchen – in sicherheitsrelevanten Branchen ist die Offenlegung zumeist auch Pflicht. So könnte der Arbeitgeber den Nebenjob verbieten, wenn der Vertriebler für Sicherheitstechnik oder Abwehrtechnik einen Nebenjob bei einem Sicherheitsdienst ausübt.

-  Politiker – ab einer gehobenen Position ist die Offenlegung von Nebeneinkünften schon aufgrund des öffentlichen Steuerinteresses notwendig. Zugleich soll die Offenlegung Interessenskonflikte verhindern. Sollte der Lokalpolitiker beispielsweise nebenbei im Aufsichtsrat der Baufirma sitzen, die auf den Grünanlagen der Stadt ein Einkaufszentrum errichten möchte, so wäre diese Verbindung zumindest skeptisch zu beäugen. Landtagsabgeordnete hingegen haben vielfältige Nebeneinkünfte, die jedoch ebenfalls offengelegt werden müssen.

An und für sich darf ein Arbeitgeber einen Nebenjob jedoch nicht verbieten, sofern es keine plausiblen und nachvollziehbaren Gründe für das Verbot gibt. Ausnahmen betreffen stets Beamte und angestellte Arbeitnehmer im öffentlichen Umfeld, da hier gesonderte Regeln gelten. 

 

Wie werden Nebeneinkünfte steuerlich behandelt?

Es kommt darauf an. Generell wird von den sogenannten Minijobs behauptet, dass diese steuerfrei seien, was allerdings nur soweit stimmt, dass auf sie keine gesonderten Steuern anfallen. Es gilt:

-  Freibetrag - jeder Nebenjob wird automatisch auf den Grundfreibetrag angerechnet – nur Minijobs bis 450 Euro pro Monat fallen hier heraus. Bei einem Grundsteuerfreibetrag von 9.408 Euro und einem jährlichen Nebeneinkommen von 7.000 Euro blieben nur noch 2.408 Euro übrig. Wird nun das Haupteinkommen berechnet, entfallen natürlich mehr Einnahmen auf den zu versteuernden Anteil, sodass mitunter Nachforderungen möglich sind.

-  Monatliche Steuer – bei Minijobs führt der Arbeitgeber eine Pauschale an die Minijobzentrale ab, für den Arbeitnehmer ist der Minijob diesbezüglich steuerfrei. Anders verhält es sich mit Nebenjobs mit höheren Einnahmen. Diese werden auch monatlich besteuert.

-  Selbstständig – natürlich kann ein Vertriebler auch eine Nebentätigkeit als Selbstständiger ausüben. In diesem Fall werden die über die Nebentätigkeit erzielten Einkünfte in der Jahressteuererklärung unter der Anlage S aufgeführt und mit für die Steuerlast herangezogen.

Generell müssen alle Nebeneinkünfte bis auf Minijobs vom Vertriebler in der Steuererklärung aufgeführt werden. Bei einem Angestelltenverhältnis ist dies besonders leicht, da die Minijobzentrale die Daten ohnehin meldet und der Jobber eine Abrechnung erhält. Bei einer selbstständigen Nebentätigkeit muss diese zuerst gemeldet und schließlich in der Steuererklärung aufgeführt werden.

 

Was ist sonst noch zu beachten?

Vertriebler mit einem Vollzeitjob sollten die Anstrengungen einer Nebentätigkeit nicht unterschätzen. Im Grunde genommen kann es schon äußerst anstrengend sein, zwei Mal in der Woche nach Dienstschluss die Regale eines Supermarkts aufzufüllen. Es gilt: - Erholung– auch Angestellte haben Pflichten und diese beziehen die Erholung mit ein. So kann auch ein genehmigter Nebenjob nachträglich verboten werden, wenn ersichtlich ist, dass der Vertriebler häufig nicht erholt oder gar übermüdet zum Hauptjob erscheint.

- Erholung – auch Angestellte haben Pflichten und diese beziehen die Erholung mit ein. So kann auch ein genehmigter Nebenjob nachträglich verboten werden, wenn ersichtlich ist, dass der Vertriebler häufig nicht erholt oder gar übermüdet zum Hauptjob erscheint. 

-  Krankheit – während eines Krankenscheins darf weder der Haupt- noch der Nebenjob ausgeübt werden. Sollte ein Arbeitgeber erfahren, dass ein Mitarbeiter trotz Krankenschein nebenbei weiterhin jobbt, so kann eine Abmahnung ausgesprochen werden. Das gilt auch, wenn der Vertriebler aufgrund eines Beinbruchs keine Kundenbesuche machen kann, aber weiterhin im Büro arbeiten könnte. Da dieser Arbeitsbereich auch beim Hauptarbeitgeber denkbar ist, bleibt das Verbot erhalten.

-  Urlaub – während des Urlaubs darf der Vertriebler nicht jeden Nebenjob ausüben, da dies der Erholung widerspricht. Diesbezüglich gibt es natürlich gerade im selbstständigen Bereich Unterschiede: Ein Künstler, Musiker oder Autor darf im Urlaub an Werken feilen, wenngleich nicht auf Konzertreisen gehen. Auch Auszubildende dürfen trotz Urlaub einem Nebenjob nachgehen, da hier auf das oft niedrige Ausbildungsgehalt hingewiesen wird.

Doch auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel. Sämtliche Hinweise und Verbote beziehen sich rein auf echte Nebenjobs mit einem Verdienst. Gemeinnützige Arbeiten und Tätigkeiten dürfen - und müssen teilweise – trotzdem ausgeübt werden. So darf der Vertriebler auch während seines Urlaubs zu Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehr oder in der Bahnhofsmission helfen. Da diese Tätigkeiten dem Gemeinwohl dienen und Mitarbeiter nicht bezahlt, sondern höchstens für ihren Aufwand entschädigt werden, fallen sie diesbezüglich nicht unter die Regelungen.

Fazit – auch die Freizeit interessiert

Natürlich darf sich in Deutschland auch ein Vertriebler einen Nebenjob suchen. In den meisten Fällen dürfen sich die Arbeitgeber auch nicht dagegen aussprechen, doch je nach Arbeitsvertrag kann eine Genehmigung durch den Arbeitgeber verlangt werden. Zudem gibt es klare Ausschlüsse, die wahlweise das Arbeiten für die Konkurrenz betreffen, aber auch das Wohlergehen des Arbeitnehmers: Wer regelmäßig bis in die Abendstunden im Betrieb ist, der hat keine Erholungszeit, wenn er spätabends noch kellnert. Wichtig ist, den Nebenjob korrekt in der Steuererklärung anzuzeigen und zugleich auf die besonderen Gesetzgebungen während Urlaub, Krankheit und den Erholungsphasen zwischen den Einsätzen zu achten.

 

Abbildung 1: Nebeneinkünfte sind nicht nur steuerlich ein Thema. Bildquelle: @ webandi / Pixabay.com

Abbildung 1: Die Quelle für mögliche Nebeneinkünfte können sehr vielfältig ausfallen. Bildquelle: @ Glenn Carstens Peter / Unsplash.com