Technische Übersetzungen – Qualität auf die Unternehmen nicht verzichten können

vom: 02.10.19

Brauchen wir noch Übersetzer?

Und das zu Recht, denn vieles kann heutzutage von Maschinen und Computern deutlich schneller und effizienter erledigt werden. Das gilt scheinbar auch für den Übersetzer, denn schließlich haben Google Translate oder Übersetzungsmaschinen wie das gefeierte Startup DeepL mit ihren Übersetzungen inzwischen einen so hohen Qualitätsstandard erreicht, dass es keine hauptberuflichen Übersetzer mehr braucht. Richtig?

Falsch! Natürlich ist die Digitalisierung dabei, Jobprofile, Alltagsgeschehen und unser gesamtes Leben umzukrempeln. Doch man muss schon genau hinschauen, wo die Digitalisierung oder Automatisierung an ihre Grenzen stößt. Bei aller Forschung im Bereich „Künstliche Intelligenz“ – und in diesem Bereich wird aktuell unglaublich viel entwickelt und geforscht – es ist bisher noch nicht möglich, das menschliche Gehirn nachzubilden. Genau deshalb ist der Beruf des Übersetzers unverzichtbar und wird es noch lange bleiben.

Gerade in der Industrie oder Wissenschaft, wo detaillierte, komplizierte, technische Übersetzungen gefragt sind, ist die Expertise von Fachleuten nötig. Viele Prozesse sind zu komplex und speziell, um sie von einer automatisierten Software übersetzen zu lassen. So kommt beispielsweise bei der Eingabe einer Gebrauchsanleitung in eine Übersetzungssoftware meist Unsinn raus.

Technische Übersetzungen – Qualität auf die Unternehmen nicht verzichten können

Fachwissen – unersetzbar bei technischen Übersetzungen

Ohne Fachübersetzungen geht’s im Maschinenbau nicht. Deutsche mittelständische Unternehmen, die 99 Prozent aller deutschen Unternehmen ausmachen, sind in vielen Technologien Weltmarktführer mit einem ständigen Bedarf an Übersetzungen, um mit ihren Produkten weiter weltweit expandieren zu können. Der deutsche Mittelstand ist für fast 60 Prozent der gesamtdeutschen Wertschöpfung verantwortlich und das Siegel „Made in Germany“ genießt, gerade in Zeiten der Globalisierung, nach wie vor hohes Ansehen.

Das Thema Innovation spielt eine große Rolle (ca. 16 Prozent des Umsatzes werden in neue Entwicklungen investiert), um im Vergleich mit international ausgerichteten Unternehmen aus dem Inland und der weltweiten Konkurrenz die Nase vorn zu behalten. Diese Innovationen müssen am besten weltweit vertrieben werden und dafür braucht es gute Übersetzungen von Gebrauchsanweisungen, Beschreibungen von Dienstleistungen oder technischen Prozessen. Dabei geht es um die verschiedensten Sprachen, nicht nur Englisch, Französisch oder Spanisch. Es sind auch technische Übersetzungen ins Russische, Arabische oder in Mandarin notwendig.

Den stärksten Bedarf an Fachübersetzungen hat ohne Frage die IT- und Software-Branche. Allein durch die immer komplexer werdenden Programme ist der Beruf des technischen Redakteurs in den letzten Jahren immer wichtiger geworden, sodass Unternehmen aus den unterschiedlichsten Bereichen inzwischen hauseigene technische Redaktionen eingerichtet haben. Sollen diese redaktionell hochwertig erstellten Fachpublikationen nun treffend und vor allem technisch und/oder wissenschaftlich korrekt übersetzt werden, ist es unumgänglich, eine Übersetzung anfertigen zu lassen, die die technischen Details korrekt wiedergeben kann. Technische Übersetzungen müssen in wissenschaftlicher Sprache geschrieben werden und sind mit Fachausdrücken gespickt, sodass besondere Sorgfalt notwendig ist.

Kann Software Sinn erkennen? Emotionen transportieren?

Technische Übersetzungen sind außerdem noch in verschiedenen anderen Branchen wichtig: Autoindustrie, Energiesektor, Medizintechnik oder Wissenschaft. Aber auch im juristischen Bereich, bei Marketing, PR und natürlich beim Tourismus. Letzteres leuchtet natürlich sofort ein, denn der Tourismus ist trotz der Klima-Debatte um Flugreisen und Kreuzfahrtschiffe immer noch ein starker Wachstumsmarkt. Es gibt immer mehr Touristen pro Jahr und somit auch einen stetig ansteigenden Bedarf an fachlichen Übersetzungen.

Deutschland ist als Reiseland sehr begehrt und liegt hinter Spanien und Frankreich auf Platz 3 in Europa. Für die internationalen Touristen sind viele hochwertige Übersetzungen in die verschiedensten Sprachen notwendig. Egal ob Hotelbeschreibung oder Geschichte einer Sehenswürdigkeit, eine punktgenaue und dennoch umgangssprachliche, sinngemäße Übersetzung mit viel Gefühl ist gefragt – was eine Übersetzungsmaschine so nicht liefern kann.

Schon einfachste Beispiele aus dem Englischen machen deutlich, was gemeint ist. Hier ein kleiner Test, was bedeutet: „Der Strohhalm, der das Kamel zum Zusammenbruch brachte“ Im Original: „The straw, which breaks the camel's back.“ Nein, im Deutschen hat das mit Kamelen überhaupt nichts zu tun. Es geht um folgendes Sprichwort: „Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.“ Da wäre Google Translate möglichweise nicht drauf gekommen.

Deshalb kommt beispielsweise auch in der Literatur dem Übersetzer eine äußerst wichtige Rolle zu, die der des Autors fast schon ebenbürtig ist. Wort für Wort zu übersetzen – wie es Übersetzungssoftwares zumindest aktuell noch tun – ist jedenfalls nicht gerade förderlich, wenn man den Sinn, die Atmosphäre oder die Emotion eines Textes übersetzen möchte.

Werden Algorithmen in Zukunft fachliche Texte übersetzen können?

Wie komplex die Materie ist, sollte inzwischen deutlich geworden sein. Somit verwundert es nicht, dass es aktuell keine Übersetzungssoftware am Markt gibt, die technische Übersetzungen mit zufriedenstellenden Ergebnissen liefert. Es gibt allerdings Start-ups, die auf der Suche nach Automatisierungen sind. So könnte beispielsweise ein KI-gesteuerter Algorithmus Übersetzungen und Fachbegriffe für einen bestimmten Fachbereich lernen, und zwar aus Übersetzungen, die bereits existieren.

Somit ist aber auch hier die Zusammenarbeit mit fachlich spezialisierten Übersetzern notwendig. Das Märchen von den Maschinen, die allen Menschen die Arbeit wegnehmen oder andere schwarze Zukunftsprognosen, werden sich so bestimmt nicht erfüllen. Eine Korrektur durch den Menschen wird gerade im Bereich technische Übersetzungen immens wichtig bleiben. So werden auch beim beschriebenen Start-up maschinelle Übersetzungen von Fachleuten überprüft und überarbeitet. Der Branche wird die Arbeit also noch lange nicht ausgehen. Und somit wird dem Übersetzer wohl das Schicksal des Radmachers oder Harzers erspart bleiben.

Bild: ©istock.com/Maica