Der demografische Wandel – Ernst der Lage nur wenigen Unternehmen bewusst

vom: 14.10.15

Die Ansichten deutscher Unternehmen sind unterschiedlich. Gut 90% erwarten die enormen Auswirkungen des demografischen Wandels erst in sieben bis zehn Jahren. Lediglich 69 Prozent behalten schon heute die älter werdende Gesellschaft  im Auge.

Doch die Annahme, die Auswirkungen des demografischen Wandels seien erst in einigen Jahren spürbar, ist falsch. Tatsächlich trifft es Deutschland bereits mehr als gedacht. Ein sehr großer Aspekt ist der Personalbereich. Es wird immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden, besonders der Mangel an qualifiziertem Fachpersonal ist deutlich spürbar.

Deshalb erkennen 80% der Unternehmen vorerst nur in diesem Sektor Handlungsbedarf. Die restlichen 20% haben hinsichtlich der alternden Gesellschaft noch nichts unternommen.

"Die Unternehmen in Deutschland wissen, dass der demografische Wandel auch an ihnen nicht spurlos vorübergehen wird. Sie konzentrieren sich aber einseitig auf Personalfragen und unterschätzen die Auswirkungen auf ihr Geschäftsmodell. Die Nachfrage nach Dienstleistungen und Produkten wird sich mindestens ebenso dramatisch verändern wie der Arbeitsmarkt", sagt Norbert Winkeljohann, Sprecher des Vorstands von PwC Deutschland.

Einige Lösungsansätze sind jedoch bereits im Gespräch

So wollen sich 75% der Unternehmen für verbesserte Beschäftigungsmodelle einsetzten, um das Familien- und Arbeitsleben besser vereinen  zu können. Auch die Arbeitszeiten sollten flexibler gestaltet werden. Dagegen haben es ältere Arbeitnehmer weiterhin schwer, denn lediglich 28% der Unternehmen würden Mitarbeiter, die über 50 Jahre alt sind, einstellen. Es scheint, als besäßen die großen Unternehmen einen Vorsprung, wenn es um die Entwicklung innovativer Arbeitszeitmodelle geht. Doch tatsächlich sind klare Strukturen kaum erkennbar. Aber auch kleine bis mittelständische Unternehmen haben in den genannten Punkten deutlichen Nachholbedarf.

Geschäftsmodelle unter Druck

"Alle Geschäftsmodelle gehören auf den Prüfstand", sagt Michael Burkhart, Partner bei PwC und Experte für den demografischen Wandel. "Der Bevölkerungsrückgang wird nicht nur die Hersteller von Babynahrung betreffen, sondern beispielsweise auch Energieversorger, den Einzelhandel oder Automobilhersteller. Der Kreis potentieller Kunden wird kleiner und die Kunden immer älter."

So verschiebt sich nun die Altersspanne für die Zielgruppen, welche relevant ist, noch beworben zu werden. Der Fokus richtete sich damals auf die 14- bis 49-Jährigen, heute gelten die 20- bis 59-Jährigen als maßgebend.

Hilferuf an die Politik

Unternehmen könnten den demografischen Wandel auch als Chance nutzen. Doch klare Ideen und Konzepte sucht man in der deutschen Wirtschaft vergeblich, deshalb braucht man Unterstützung aus der Politik.  Von der Unterstützung für pflegende Berufstätige (76 Prozent) und berufstätige Eltern (74 Prozent), über die Förderung einer betrieblichen Altersvorsorge (62 Prozent) bis zu Impulsen für flexiblere Arbeitszeitmodelle (61 Prozent) reicht der Forderungskatalog.

"Unsere alternde Gesellschaft verändert sich so massiv, dass die Wirtschaft die gewaltigen Herausforderungen nicht alleine bewältigen kann. Genauso wichtig wird es aber sein, dass die Unternehmen den demografischen Wandel ernst nehmen", sagt Winkeljohann. "Wer sich heute umfassend mit dem demografischen Wandel auseinandersetzt und die kommenden Veränderungen kennt, wird sich einen entscheidenden Vorteil verschaffen", ergänzt Michael Burkhart.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, für die im Herbst 2014 mehr als 200 Manager von Unternehmen jeder Größe und aus verschiedenen Branchen der deutschen Wirtschaft zu den Herausforderungen des demografischen Wandels befragt wurden.

 

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