Rechnungswesen nicht sicher vor Wirtschaftskriminalität

vom: 13.10.16

Wirtschaftskriminalität ist ein sehr ernstzunehmendes Thema, das leider bereits Alltag geworden ist. Durch geschickte Tricks bringen die Betrüger Unternehmen um große Summen. Im Fokus steht das Rechnungswesen.

Viele Unternehmen lösen die klassische Rechnungszustellung per Post mit dem kostenlosen und bequemen E-Mail-Versand ab. Leider nutzen diesen Prozess immer mehr Kriminelle aus und schaden so den Unternehmen.

Das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg macht über eine Warnmeldung darauf aufmerksam, dass Betrüger sich in die Rechnungsstellung per E-Mail einklinken und versuchen, Geld von Firmen zu ergaunern. Hierbei verschaffen sich die Gauner Zugriff zum E-Mail Account und gelangen somit an firmeninterne Informationen über offenen Rechnungen. Für sie ist es dann ein leichtes Spiel, die E-Mails umzuleiten, abzufangen und zu verändern. So kann dem Rechnungsempfänger beispielsweise eine vermeintlich geänderte Bankverbindung zugesandt werden. Das Geld wird fälschlicherweise auf das Konto der Betrüger überweisen. Dieses Manöver ist anfangs nicht auffällig, da die offene Forderung tatsächlich besteht, sowohl beim Kunden als auch für das rechnungsstellende Unternehmen.

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Rechnungswesen informieren

Doch wie kann man verhindern selbst auf Trickbetrüger hereinzufallen? Der wichtigste Faktor ist die Kommunikation: Die Mitarbeiter müssen angewiesen werden, genauer hinzusehen und zweifelhafte Nachrichten zu prüfen und mit besonderer Vorsicht zu bearbeiten. Notfalls muss auch mit dem Geschäftspartner telefonisch Rücksprache gehalten werden, um jeden Zweifel auszuschließen. Außerdem sollte man seine Software immer auf dem neusten Stand halten und aktualisieren. In der Signatur kann man zudem vermerken, dass eine geänderte Bankverbindung ausschließlich per Post versendet wird, niemals aber per E-Mail.

Im Ernstfall vorbereitet sein

Um die genanten Betrugsfälle zu vermeiden, sollte man in jedem Fall vorbereitet sein. Ansprechpartner Nummer Eins sollten hierbei die Polizei und die Hausbank sein. Die strafrechtliche Verfolgung dieser Betrüger erfordert, dass betroffene Unternehmen schnell handeln und sich mit den Behörden in Verbindung setzen.

„Enkeltrick“ nicht nur bei Oma und Opa

Auch in Unternehmen tritt dieser bekannte Betrugsversuch in leicht angepasster Art und Weise auf. Ein Betrüger meldet sich beim Mitarbeiter in der Buchhaltung und gibt sich beispielsweise als CFO oder CEO aus. Der Mitarbeiter wird dann angewiesen, eine hohe Geldsumme zu überweisen.

Millionenschaden durch falsche Chefs

Erst Mitte August wurde der Fall des börsennotierten Autozulieferers und Kabelspezialisten Leoni bekannt. Das Unternehmen soll Opfer dieser Betrugsmasche geworden sein, wie "Die Welt" berichtete. Der erste Schaden: 40 Millionen Euro. Der Folgeschaden: Der Aktienkurs ist gesunken. Ein Unternehmen kann also gleich mehrfach unter diesen Betrugsfällen leiden. Auch hier müssen Mitarbeiter unbedingt informiert und sensibilisiert werden.Leoni ist keine Ausnahme. Seit 2013 wurden 250 solcher Betrugsfälle bekannt, bei denen ein Schaden von 110 Millionen Euro entstand. In dieser Summe ist der Fall Leoni noch nicht einmal erfasst.

 (Quelle: springerprofessional.de)