Trotz guter Wirtschaftslage: Auftragseingang sinkt im Januar überraschend stark

vom: 11.03.15

Während die Konsumenten den Vertrieb an der Basis ankurbeln und die Erwartungen der Manager langfristig besser sind als kurzfristig, schwächelt nun die Wirtschaft. Trotz guter Wirtschaftsdaten gingen die Auftragseingänge im Januar gegenüber dem Dezember überraschend stark zurück. Vor allem die Großaufträge fielen unterdurchschnittlich aus. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, liegt der preisbereinigte Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe nach vorläufigen Schätzungen 3,9 Prozent niedriger als im Vormonat. Besonders das Ausland schwächelt: Hier gab es 4,8 Prozent Einbußen, während aus dem Inland nur 2,5 Prozent weniger Aufträge kamen.

Der Mangel an Großaufträgen hat viele Politiker überrascht. Statt mit einem so deutlichen Fehlstart hatten sie lediglich mit einem Minus von 1 Prozent gerechnet – gerade, weil im Vormonat eine deutliche Steigerung gegenüber dem November von 4,4 Prozent erreicht wurde. Richard Glöß vom internationalen Finanzdienstleister City Index sieht die Zahlen differenziert: "Der aktuelle Fokus auf den Konsum und die unsichere Lage in Europa haben einen größeren Einfluss auf die Wirtschaft. Die großen Schwankungen insbesondere bei den Auslandsaufträgen normalisieren sich, sobald die guten Wirtschaftsdaten die krisenbedingte Unsicherheit überlagern." Weiter merkt der Analyst an, dass die gesunkenen Energiepreise, der schwache Euro und die günstigen Zinsen sich langfristig auch auf die Aufträge auswirken werden.

Neben den ausfallenden Großbestellungen sind es auch die Invesitions- und Vorleistungsgüter, die um 4,2 Prozent abgenommen haben. Der Fahrzeugbau, eine der wichtigsten Exportbranchen, steht dabei stellvertretend für die Unsicherheit einzelner Sektoren. Im Kfz-Bereich stiegen die Aufträge wie im Dezember, wenn auch mit 0,4 Prozent etwas schwächer (vorher: 1 Prozent). Dagegen ist der sonstige Fahrzeugbau bei Schiffen und Flugzeugen mit 42,9 Prozent sehr deutlich eingebrochen, nachdem im Dezember ein Plus von 41,3 Prozent zu Buche stand. Das deutet neben wirtschaftlichen Unsicherheitsfaktoren auf einen Ausgleichseffekt hin. Die Zuwächse im Dezember bedeuten oft eine Ausschöpfung übriger Budgets, die dann nach Jahreswechsel zunächst komplett wegfallen. Aber selbst dieser Effekt verhindert nicht, dass die Industriekonjunktur insgesamt weiter ansteigt.

Dezember und Januar zusammen verbuchen ein Plus von 1,3 Prozent gegenüber dem Niveau von Oktober und November. Auch die Summe der letzten drei Monate ergibt ein Plus von 1,6 Prozent. Das Auf und Ab bei den Auftragseingängen im verarbeitenden Gewerbe ist im Endeffekt eine normale Verlaufsform. Doch trotz Mindestlohn und fallender Preise kann der Konsum den industriellen Stillstand nicht lange auffangen. Hier hoffen Experten auf eine baldige Erholung im Euroraum.

Statistik: Veränderung der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe gegenüber Vormonat von Januar 2014 bis Januar 2015 (preis-, arbeitstäglich- und saisonbereinigt) | StatistaMehr Statistiken finden Sie bei Statista Landi-Verteilzentrale

Bildrechte: Flickr Landi-Verteilzentrale LID CC BY SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten