Der Führungsstil von Frauen im Unternehmen
Es besitzt deutlichen Seltenheitscharakter wenn es sich beim „Boss“ um eine Frau handelt. Doch der Stil bewährt sich, er kommt bei den Arbeitgebern an. Expertenmeinungen nach zu urteilen, wäre die perfekte Führungskraft ein Mann und eine Frau zugleich!
Nicht zögern bei Entscheidungen und die Ellenbogen in brenzligen Situationen ausfahren – damit verbindet man eher einen männlichen Chef. Doch gelten diese Eigenschaften vor allem auch als „Macho Eigenschaften“! Angesagt sind diese längst nicht mehr und auch kein Garant für Erfolg. Im Gegenteil. Frauen als Chefs gelten vielen als teamfähiger, fürsorglicher, kreativer, aber auch mutiger, realistischer und stress-resistenter. Diese Werte zählen heutzutage mehr als noch vor einiger Zeit. Doch führen Frauen daher ein Unternehmen besser?
„Jein“, so lautet die Antwort von Stephanie Bschorr, Präsidentin des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VdU). Sicher gibt es Unterschiede in den Führungsstilen und diese Kleinigkeiten haben es womöglich in sich. Laut einer Umfrage sehen sich weibliche Chefs als eine Art Dienstleister. An oberster Stelle stehen für sie Punkte wie enge Mitarbeiter- als auch Kundenbindung. Die Themen wie Investitionen und Finanzen werden überwiegend von Männern bevorzugt.
Weiterbildungen, Heimarbeit oder Betriebskitas stehen bei frauengeführten Unternehmen ganz oben. Jedoch lässt sich beobachten, dass in dieser Art von Unternehmen häufiger auf Dienstwagen sowie Boni verzichtet wird.
Frauen im Führungsteam seien stilbildend, sagt auch Ulrich Vogel vom Personaldienstleister Profilingvalues. «Dann gehen Zahlen nicht mehr über alles und Althergebrachtes wird infrage gestellt.»Ein Garant zum Erfolg ist ein weiblicher Führungsstil jedoch nicht, erklärt der Wirtschaftsberater Walter Simon. «Eine gute Führungskraft muss männlich und weiblich zugleich sein.» Die Arbeitnehmer brauchen eine gute Mischung aus Druck, rationalem Zahlendenken und Einfühlungsvermögen. Studien, nach denen Unternehmen mit Frauen im Vorstand bessere Betriebsergebnisse erzielen, hält Simon für empirisch nicht belastbar.
Immer noch beträgt der Anteil an Frauen in Aufsichtsrats- und Vorstandsposten bei börsenorientierten Unternehmen gerade einmal 10 Prozent. Doch die Frauenoffensive auf die Chefsessel ist inzwischen auch bei den großen Konzernen angekommen. Bei der Deutsche Bank sind laut Eich-Ehren 40 Prozent der Aufsichtsräte Frauen. Auch auf Mitarbeiterebene solle bis 2018 eine selbst auferlegte Frauenquote von 25 bis 35 Prozent erreicht werden. Bei der Deutschen Bahn soll bis 2015 jede fünfte Führungskraft weiblich sein. Die Telekom hat eine Quotierung bei Stellenbesetzungen und Managementprogrammen eingeführt.
Die wenigen Frauen, die es an die Spitze geschafft haben, mussten dafür oft ihren typischen Führungsstil aufgeben, meint Vogel. Frauen seien eigentlich emotionaler und einfühlsamer, auf Managerinnen treffe das seiner Studie zufolge aber nicht zu. «Ihr Verhalten ist nicht geschlechtsneutral, sondern von den Männern abgeschaut», schließt Vogel daraus. Die Unterschiede im Führungsstil könnten noch viel größer sein, wenn Frauen sich natürlich verhalten würden.
Quelle: www.personalerinfo.de