Innovationen pushen durch Agilität

vom: 20.10.16

Damit es ein neues Produkt schafft, reif für den Markt zu sein, ist es für das Team wichtig, eine flexible und eigenständige Handhabe  zu besitzen. Einige Unternehmen setzen mit Erfolg auf agile Methoden für Innovationsprozesse.

Den Unternehmen wird aufgrund der immer weiter voranschreitenden Digitalisierung eine schnelle Anpassung an geänderte Marktanforderungen abverlangt. Trotz guter Ideen und vorhandener Technologie, ist es ein langwieriger Prozess, die Projekte und -neuheiten voranzutreiben. Die starren Strukturen der Unternehmen verhindern ein schnelles Vorankommen, indem sie die Innovationen und Kreativität unterdrücken. Erfolgsversprechend  für Innovationsprozesse sind daher agile Methoden.

Die Bezeichnung „agile Methoden“ sind im Bereich Softwareentwicklung längst ein Begriff. Hierbei wird der Fokus anders gesetzt. Die zeitaufwendigen Dokumentationsprozesse, Freigaben und häufigen Meetings sollen durch eine andere Arbeitsweise ersetzt werden. Dies bedeutet, dass agile Teams dahingehend arbeiten, dass sie mehr Selbstverantwortung der einzelnen Projekte zugeschrieben bekommen, abteilungsübergreifend arbeiten können und einen engen Kontakt zum Kunden pflegen um das Projekt fertig zu stellen.

Agilität setzt einen neuen Führungsstil voraus

Um eine Förderung von Innovationen mit agilen Methoden voranzutreiben, ist ein dementsprechender Führungsstil notwendig. Sowohl der Führungsstil, als auch die Unternehmenskultur muss verändert und angepasst werden. Es ist sinnvoll den kreativen Köpfen genug Freiraum zur Entfaltung zu gewähren, anstatt sie mit Unmengen von Vorgaben auszubremsen. Leider fehlt hierbei oft der Mut und die Erfahrung, die agilen Methoden in den Arbeitsalltag und -prozess mit einfließen zu lassen. Doch nur wenn Agilität im Management vorgelebt wird, können sich agile Ansätze im Unternehmen etablieren.

(Quelle: Shutterstock)

Agilität lohnt sich allemal bei richtiger Umsetzung. Laut der Bain-Studie „Agile Innovation“ konnte der bekannte Landmaschinenhersteller John Deere die Produktivität  innerhalb seiner Innovationsabteilung verdoppeln. Doch nicht nur Produktivitätssteigerung, auch eine Halbierung der gesamten Projektlaufzeit ist zu verzeichnen. Insgesamt haben die Bain-Consultants 10.000 Projekte analysiert und herausgefunden, dass sich die Erfolgswahrscheinlichkeit der Innovationen verdreifachte, wenn agile Methoden angewendet wurden. Doch werden diese Methoden noch nicht im Unternehmensalltag gefestigt und täglich angewandt. Das Wort „agil“ spaltet die Meinungen. Ein Teil des Managements versteht es gar nicht, andere lehnnen es konsequent ab und der Rest liebt es einfach. So beschreibt es Svenja Hofert, Autorin des Fachbuches "Agiler führen". Die amerikanische Zeitschrift "Forbes!“ merkt ebenfalls an, dass Manager das Wort agil sogar hassten! Begründet wird die Abwehrhaltung mit der Angst der Führungskräfte vor einem Machtverlust. Gerne wird Agilität im Management mit einem Abbau der Führungsebene verwechselt. Doch hier geht es nicht um einen vermeintlichen Wegfall der Führung, sondern viel mehr um weniger Hierarchien.

Tipps für agile Innovationsteams

Die Unternehmensberatung Bain & Company stellt in der Studie sechs Grundregeln auf, um agile Methoden mit Erfolg für Innovationsprozesse einzusetzen:

  •  Unternehmen müssten verstehen, dass Agilität nicht mit Anarchie gleichzusetzen ist, sondern einen praxiserprobten Lösungsansatz für komplexe Probleme bietet.
  •  Unternehmen sollten sondieren, welche Bereiche sich für agile Methoden eignen: Die Produktentwicklung in Abstimmung mit dem Kunden oder das Marketing zum Beispiel, nicht jedoch Routineaufgaben.
  •  Um Agilität in der Unternehmenskultur zu verankern, reicht es nicht, die Kreativkräfte mit dem neuen Ansatz bekannt zu machen. Die Führungsspitze des Unternehmen sollte ebenfalls agile Ansätze anwenden.
  •  Bei der Strategieentwicklung, Ressourceneinteilung oder der Abstimmung im Unternehmen können agile Methoden zu schnellen Ergebnissen führen und demonstrieren, dass das Management Agilität vorlebt.
  •  Auch Mitarbeiter in agilen Pilotprojekten, die in der Regel sehr zufrieden mit ihrer Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit sind, fungieren als Botschafter der neuen Innovationskultur und helfen durch Mundpropaganda mit, andere für die Idee zu begeistern.
  •  Die anfangs unumgänglichen Hindernisse und Widerstände müssen die Führungskräfte aus dem Weg räumen und Prioritäten, Rollen und Verantwortlichkeiten klar kommunizieren. Erfahrene Mitarbeiter sollten später jedoch in der Lage sein, die agilen Methoden anzupassen und nach ihren Vorstellungen weiterzuentwickeln.

Fazit: Es muss nicht immer gleich eine agile Revolution sein, die auf einen Schlag das ganze Unternehmen von Kopf bis Fuß umkrempeln soll. Wer Prozesse beschleunigen und Teams innovativer machen will, kann agile Methoden zunächst in dafür geeigneten Projekten erproben.

Quelle: springerProfessional