Wenn eine einzige Online-Rezension 30 Jahre erfolgreiches Unternehmertum in Frage stellt

vom: 30.08.18

Ein Arzt, der 30 Jahre lang engagiert und im Dienste seiner Arbeit stand, der sich während seines gesamten Arbeitslebens nichts hat zu Schulden kommen lassen, hat seit einiger Zeit schlaflose Nächte. Er hat ein schlechtes Gefühl, wenn er sich in der Öffentlichkeit zeigt. Warum? Alles nur wegen einer einzigen Kundenbewertung auf Google.

Viele  denken  jetzt  vielleicht:  Wegen  einer  einzigen  Online-Beurteilung  irgendeiner  Person  so  eine  Reaktion?  Nehmen  wir  an,  ein  Unternehmer  wird  gegoogelt.  Und  unter  dem  Suchtreffer  seiner  Website  steht  „1  Kommentar“.  Da  werden  doch  sehr  viele  Menschen  neugierig  lesen  wollen,  was  dort  steht.  So  eine  Beurteilung  kann  nicht  nur  das  Leben  eines  Menschen,  wie  bei  meinem  Kunden,  dem  Arzt,  gewaltig  auf  den  Kopf  stellen,  sondern  auch  die  jahrelang  aufgebaute  Reputation  gefährden.  Ob  man  Arzt,  Schreiner,  Industrieller  oder  Versicherungsberater  ist  –  wenn  es  sich  um  eine  sehr  negative  Beurteilung  handelt,  deren  Inhalt  die  Arbeitsqualität,  die  Werte  und  Einstellung  einer  Person  kritisiert  und  den  betroffenen  Menschen  direkt  angreift,  dann  ist  der  Schaden  vorprogrammiert.  Und  oftmals  verheerend  –  sowohl  persönlich  als  auch  unternehmerisch.  Denn  auch  wenn  die  Bewertung  ungerechtfertigt  und  ohne  vorhandenen  Grund  erstellt  wurde  –  Fakt  ist:  Sie  ist  erst  einmal  da  und  jeder  kann  sie  lesen.  Viele  Unternehmer  und  CEOs  kennen  diese  Gefahr  nicht  – oder  wollen  sie  nicht  kennen.  Sie  leben  nach  dem  Motto:  „Bis  jetzt  ist  es  ja  gut  gegangen  ...“  Doch  diese  Einstellung  ist  kurzsichtig  und  gefährlich,  denn  der  Einsatz  ist  hoch:  Wir  spielen  dabei  mit  unserer  Reputation.

Auch ungerechte Bewertungen beeinflussen Menschen

Jeder  kann  uns  heute  online  bewerten,  beurteilen  und  sogar  verurteilen.  Solange  der  Kommentar  uns  nicht  beleidigt,  ist  er  – wenn  überhaupt  –  nur  sehr  schwer  zu  löschen.  Wir  sind  auf  Google  aber  auch  speziellen  Plattformen  wie  zum  Beispiel  „kununu.com“  bewertbar.  Jeder  kann  hier  nicht  nur  Kommentare  hinterlassen,  sondern  auch  die  Führung,  die  Gleichstellung,  die  Kommunikation  und  vieles  mehr  in  diesem  Unternehmen  beurteilen.  Aber  stimmen  alle  diese  Bewertungen  überhaupt?  Nein,  sicher  nicht.  Ist  das  ungerecht?  Bestimmt.  Aber  einmal  Hand  aufs  Herz:  Hat  uns  das  bis  jetzt  interessiert?  Wahrscheinlich  nicht!  Wie  reagieren  wir,  wenn  wir  im  Internet  auf  Hotelvergleichsseiten  die  Kommentare  von  Hotelgästen  lesen?  Finden  wir  bei  einem  Wunschhotel  nur  einen  Kommentar,  der  niederschmetternd  schlecht  ist,  wählen  wir  wahrscheinlich  einfach  das  nächste  Hotel.  Obwohl  wir  uns  hätten  denken  können,  dass  dieser  eine  Kommentar  allenfalls  nicht  stimmen  kann.  Aber  wer  geht  hier  schon  gerne  ein  Risiko  ein?

Statt "Bis jetzt ging ja alles gut" lieber Reputation aufbauen

Es  gibt  zwei  Strategien:  Strategie  eins,  die  von  Unternehmen  heute  immer  noch  am  häufigsten  eingesetzt  wird,  ist  die  oben  erwähnte  „Bis  jetzt  ging  ja  alles  gut“-Strategie.  Augen  zu  und  ...–  eben  nicht  –  durch.  Aber  schließlich  schläft  man  noch  gut,  weil  man  ja  nicht  sieht,  wo  in  Social-Media  gerade  jemand  über  einen  selbst,  die  Produkte  oder  die  Dienstleistung  schreibt.  Lustigerweise  versichern  wir  in  anderen  Bereichen  unseres  Daseins  alles  was  irgendwie  möglich  –  und  unmöglich  –  ist.  Da  leben  wir  selten  nach  der  „Bis  jetzt  ging  ja  alles  gut“-Strategie.  Lebt  man  jedoch  bei  der  eigenen  Reputation  danach,  kann  irgendwann  das  bitterböse  Erwachen  kommen.  Strategie  zwei  bedeutet  etwas  mehr  Aufwand:  Bei  dieser  Strategie  kümmert  man  sich  aktiv  um  die  eigene  Reputation.  Ob  es  noch  andere  Strategien  gibt?  Nein.  Wenn  man  jetzt  noch  nicht  weiß,  welche  Strategie  zu  einem  passt,  sollte  man  vielleicht  eine  Nacht  darüber  schlafen.  Aber  nicht  länger.  Schließlich  hat  man  nur  einen  (guten)  Ruf  ...  zu  verlieren  –  und  damit  vielleicht  auch  eine  Existenz.  Gute  Nacht!